Unter dem Begriff “Hacking” kann sich wohl jeder etwas vorstellen. Es geht dabei in der allgemeinen Wahrnehmung um das Finden und Umgehen von Schwachstellen in einem Computerprogramm oder -system. Gehackt wird an allen möglichen Stellen von Servern und Computern. Der Begriff “Biohacking” erscheint hier wie ein Widerspruch. Biohacking ist eine Bewegung, die sich vor einigen Jahren in den USA entwickelt hat. Sie findet seitdem immer mehr Anhänger weltweit und ist auch in Deutschland voll angekommen. Doch was ist Biohacking? Wie wird ein biologischer Organismus “gehackt” und was kannst du von Biohackern lernen?

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Was ist Biohacking?

Die Antwort ist gar nicht so abwegig. Ähnlich dem Computerhacking werden beim Biohacking Schwachstellen des Körpers gefunden und anschließend ausgetrickst. Es ist schwierig, eine einheitliche Biohacking Definition zu finden. Ziel ist aber die Selbstoptimierung aller Bereiche des Körpers. Das heißt: jeden Tag ein bisschen besser und leistungsfähiger werden. Biohacking ist also eine Lebensweise, die alle Facetten des Alltags und des Körpers betreffen kann. Es geht um eine Kombination aus Tipps für die richtige Ernährung und Sport, aber auch um die Einstellung zu Meditation und Verbesserung des psychischen Wohlbefindens. In diesem Artikel gehen wir jedoch hauptsächlich auf Biohacking mithilfe von Ernährung ein.
Wie intensiv du diesen Lebensstil testen möchtest, bleibt natürlich dir überlassen. Viele befolgen nur einige Tipps und Tricks des Biohackings, andere richten ihr ganzes Leben nach dieser neuen Art der Selbstoptimierung aus. Es handelt sich keinen Club mit Richtlinien, sondern um eine lose organisierte Bewegung mit unterschiedlichen Strömungen und Ausprägungen.

Doch wie genau versuchen Biohacker den Körper über ihre Ernährung auszutricksen? Das Prinzip des Biohackings sieht vor, körperliche Probleme auszumachen und diese mithilfe konkreter Maßnahmen, in unserem Fall der Änderung einer Essgewohnheit, zu bekämpfen. Biohacker bekämpfen vielfältige Probleme: von Müdigkeit über Konzentrationsschwächen bis hin zum bekannten “Hüftgold”. All diese Probleme sollen sich gezielt mit eigens dafür gemachten Biohacking-Tricks angehen lassen.
Neben gezielter Maßnahmen steht natürlich auch im Fokus, sich allgemein gesünder zu ernähren und so das Wohlbefinden zu steigern. Die direkte Problembekämpfung ist es aber, was Biohacking von anderen Fitness- und Ernährungsbewegungen in der Vergangenheit unterscheidet.

Die wohl wichtigste Leitlinie des Biohackings ist die der Selbstoptimierung. Immer wieder kannst du auf Biohacking-Websites Grundsätze lesen wie: “Werde die beste Version von dir selbst”. Allgemein steht Individualismus immer im Zentrum der Biohacker. Es ist wichtig den eigenen Körper zu kennen und die richtigen Tipps umzusetzen, anstatt ein “One Size”-Programm durchzuziehen, das wenig Bezug zu individuellen Problemen hat. Zwar sind oft ähnliche Ratschläge in Foren über Biohacking zu lesen. Diese sind aber selten zu einem Programm zusammengefasst; du musst selbst entscheiden, welche Kombination aus Diäten und Tipps dir am meisten zusagt.

Eine beliebte Methode unter Biohackern sind Selbstexperimente. Was sich zunächst vielleicht etwas erschreckend anhört, ist in den meisten Fällen harmlos. Selbstexperimente dienen Biohackern dazu, herauszufinden, was ihnen persönlich guttut. Biohacker probieren einen Tipp aus und protokollieren genauestens, wie sich ihr Zustand ändert. Hat die Maßnahme eine entscheidende Verbesserung gebracht oder hat sich nichts verändert? Diese Mikroexperimente werden immer wieder durchgeführt, um sich so die Diät zusammenzustellen, die die eigenen Bedürfnisse am besten befriedigt.
Auch neue Ernährungstipps, die auf Erfahrungswerten basieren, werden gerne aufgenommen und geteilt, damit andere sie ausprobieren können. Doch auch, wenn diese Form der Experimente wenig wissenschaftlich wirkt – denke nicht, Biohacking sei Quacksalberei. Biohacker setzen sich viel mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander. Sie studieren ihre eigene Biochemie genau, um ihre Tipps noch besser auswählen zu können.

Wie sieht die Ernährung von Biohackern aus?

Wie bereits beschrieben: Es gibt keine einheitliche Biohacking-Ernährung. Jeder entscheidet selbst und individuell, wie er oder sie die Diät einstellt, was vermehrt gegessen und was ganz von der Einkaufsliste gestrichen wird.
Immer wieder jedoch kannst du auf Grundsätze stoßen, denen die meisten Biohacker zumindest in einem gewissen Maß folgen. Wir stellen dir drei Tipps beziehungsweise Diäten vor, die Biohacker häufig befolgen. So bekommst du eine Vorstellung davon, was es aus Sicht der Biohacker braucht, um den Körper umzuprogrammieren.

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Ketogene Ernährung

Einer der häufigsten Biohack-Tipps ist die keto Diät, auch Ketose-Fasten genannt. Doch was ist Ketose genau? Ketogene Diät bedeutet im Grunde genommen eine kohlenhydratarme, manchmal sogar komplett Kohlenhydrat freie Ernährung. Ketose-Fasten ist kein neues Konzept. Schon lange ist bekannt, dass Kohlenhydrate im Übermaß ungesund sind und es lohnt bei manchen Mahlzeiten darauf zu verzichten. Auch in der Behandlung von Epilepsie findet die ketogene Diät Anwendung.
Im Biohacking ist das Ketose-Fasten ein Trick, um lästiges Fett abzubauen. Der Körper wird quasi durch “kalten Entzug” der Kohlenhydrate gezwungen, Fettreserven anzugreifen, um den Körper mit Energie zu versorgen. Diesen Zustand nennt man Ketose. Der Körper soll also “umprogrammiert” und darauf getrimmt werden, Fett schneller abzubauen.
Dieser Trick zur Fettverbrennung ist nicht unbedingt neu. Ein geläufiger Name für ketogene Ernährung ist “low-carb”, was dir vielleicht  schon ein Begriff ist. Die Biohacking-Variante ist aber oft extremer in der Reduktion der Kohlenhydrate. Dem Ketose-Fasten wird außerdem nachgesagt, dass es dabei hilft, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben und die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.

Intervallfasten

Auch das Intervallfasten ist vielen Abnehmwilligen vielleicht schon seit längerem bekannt. Synonym zu Intervallfasten wird oft der Begriff 16:8 genutzt oder der englische Name “intermittent fasting”. Der Name ist Programm: Es handelt sich um ein Fasten in Intervallen, die je nach Methode unterschiedlich ausfallen.
Eine Variante ist es, den Tag in Intervalle zu teilen. Meist wird dann 16 Stunden gefastet und nur in einem Zeitfenster von 8 Stunden Nahrung aufgenommen. Diese Variante eignet sich vor allem für neue Biohacker, da das Fastenintervall nicht sehr groß ist. Zudem liegt ein großer Teil davon in der Nacht. So fällt der Verzicht auf Essen nicht allzu schwer. Die Intervalle lassen sich zudem gut planen und in den Alltag integrieren. Während des Essensintervalls von 8 Stunden sollte die Ernährung möglichst gesund und ausgewogen sein. Das heißt: viel Gemüse, keine oder wenige einfache Kohlenhydrate und gesunde Fette.
Ein weiteres bekanntes Intervallfasten ist die 5:2 Diät. Hierbei wird 5 Tage normal beziehungsweise gesund gegessen und 2 Tage gefastet. An den Fastentagen ist selbstverständlich auch eine gesunde Ernährung wichtig und außerdem nur circa 500-850 Kalorien zu sich nehmen. Das Intervallfasten bringt viele Vorteile für den Körper mit sich, ihm werden viele positive Wirkungen zugeschrieben: von besserem Schlaf über ein verbessertes Hautbild bis hin zum Schutz vor Typ 2 Diabetes. Die Beschäftigung mit der eigenen Ernährung sowie die Aufnahme von wirklich gesunden Lebensmitteln sind immer vorteilhaft.

MCT-Öle

Ein Biohack, auf den viele schwören, sind sogenannte MCT-Öle. MCT steht für Medium Chain Triglycerids. Einfach gesagt: MCT-Öle sind mittelkettige Fettsäuren. Das heißt, sie bestehen aus acht bis zehn Kohlenstoffatomen. Das hört sich sehr wissenschaftlich an, lässt sich aber so zusammenfassen: Als gesättigte Fettsäuren gelten sie zwar gemeinhin als ungesund; MCT-Öle werden jedoch vom Körper schneller und einfacher abgebaut und belasten ihn weniger.
Zudem hat MCT-Öl weniger Kalorien als herkömmliches Öl. Mittelkettige Fettsäuren finden sich vor allem in tropischen Ölen wie Kokos- oder Palmöl. MCT-Öle sollen helfen, satt zu machen und die körperliche Leistung zu steigern, ohne viele Kalorien aufzunehmen. Außerdem sollen sie den Kreislauf in Schwung bringen. Eine Art der Anwendung findet sich in einem der beliebtesten Superfoods der Biohacker, dem sogenannten “Bulletproof Coffee”. Hier wird dem Kaffee eine kleine Portion eines MCT-Öls beigemischt. Bulletproof Coffee gibt es auch in einer Variante mit magerer Butter, jedoch ist das MCT-Öl schonender.

Wann kann Biohacking Probleme bereiten?

Biohacking-Ernährung hat also viele Vorteile für die Gesundheit. Doch gibt es bei dieser Ernährungsform auch Nachteile oder sogar Risiken? Jein. Auf der einen Seite können Biohacking-Methoden gewisse Risiken für dich mit sich bringen. Du kannst diese jedoch selbst kontrollieren.
Nehmen wir als Beispiel das Fasten. Es kann dem Körper schaden, zu schnell auf zu viel Essen zu verzichten. Tastest du dich jedoch langsam an das Fasten heran, gewöhnt sich dein Körper schnell an den neuen Rhythmus. Es ist also eine Frage der Herangehensweise. Außerdem ist einer der zentralen Grundsätze des Biohackings, auf den Körper zu achten und seine Signale zu verstehen. Ein weiteres Risiko, das Biohacking mit so gut wie allen Diäten oder Ernährungsbewegungen gemein hat, sind Essstörungen. Gerade für junge Menschen werden Diäten und Kalorienzählen oft zum Zwang, was zu Essstörungen führen kann. Deshalb solltest du die Diäten und Tipps des Biohackings immer nur als Ergänzung zum Alltag und nie als Lebensinhalt sehen. Leidest du unter Vorerkrankungen, beispielsweise Diabetes, solltest du vor dem Biohacking einen Arzt konsultieren. So verhinderst du, dass sich deine Erkrankung verschlimmert.
Es gibt viele Ernährungstipps im Biohacking. Nicht alle sind für jeden geeignet. Wenn du unter bestimmten Krankheiten leidest, solltest du dir deshalb Tipps heraussuchen, die sich mit der Krankheit vertragen. Die Antwort auf die Frage, ob es Risiken gibt, lässt sich also nicht klar beantworten. Ja, es kann Risiken geben. Aber jeder hat es selbst in der Hand, diese zu vermeiden und sich so mithilfe von Biohacking besser zu ernähren.

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Fazit – Biohacking

Den Körper mit richtiger Ernährung umprogrammieren, hacken, verbessern – die Idee klingt modern, aber ist sie das wirklich? Das Wort “Biohacking” gibt den vielen altbekannten Tricksereien mit Ernährung einen frischen Namen. Sei es eine kohlenhydratarme Ernährung oder Intervallfasten – Biohacking-Tipps sind nicht ganz neu.
Jedoch die Idee, sich mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen, ist immer gut. Neu am Biohacking ist das tiefere Verständnis für den Körper und seine Funktionen. Außerdem ist das Biohacking personalisierbar. Jeder gibt seinem Körper, was er braucht, abhängig von seinen Bedürfnissen. Dass sich Biohacker mit den Tipps, die sie anwenden, auseinandersetzen, macht die Selbstoptimierung mithilfe dieser Methode natürlicher. Insofern passt Biohacking sehr in unsere Zeit, in der Selbstverwirklichung und Individualismus großgeschrieben werden.
Die Selbstexperimente im Biohacking können dazu beitragen, den eigenen Körper besser zu verstehen und somit auch Spaß machen. Biohacking ist Hobby und nicht humorloses Fettverbrennen, wie es bei einigen anderen Bewegungen auch heute noch der Fall ist. Hast du also das Gefühl, dass dein Körper nicht mehr so funktioniert wie er sollte, probiere es doch einmal aus und hacke deinen Körper. Vielleicht wird deine Gesundheit (und dein Leben) dadurch ein kleines bisschen besser.

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